<h3>Michael Chalupka über funkelnde Erinnerungen</h3>
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<p>Das Leben fliegt dahin. Mancher Moment ist so schön, so bewegend, so interessant, dass man ihn festhalten möchte. Der Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß reist mit einem kleinen, im Abendlicht beigen Notizbuch. Dort schreibt er auf, wenn ihm etwas merkenswert erscheint. Findet er zu Hause angekommen das Merkenswerte auch Erinnerns wert, wird die Seite aus dem Heft gerissen und landet in einer Kiste, die als Zwischenlager dient, und schließlich, wenn es lohnt aufgeschrieben zu werden in einem seiner Bücher, und wird dadurch unser aller Schatz.</p>
<p>Ich habe ähnliches versucht und bin gescheitert. Meist kann ich das mit der Hand geschrieben gar nicht mehr entziffern, oder ich verliere die Notiz. Was nicht in meinem Kopf bleibt, geht verloren.</p>
<p>Nach einer alten jüdischen Legende ist die Schechina, die Herrlichkeit Gottes, zerbrochen und hat sich, in 1.000 Splitter und Funken geteilt, über die Welt gelegt, so dass im Verborgenen und Unscheinbaren gerade die Spiegelsplitter göttlicher Herrlichkeit zu finden sind.</p>
<p>So mancher Funke davon ist im umfangreichen Werk von Karl-Markus Gauß zu finden. Aber auch in unser aller Leben, in unseren Köpfen und Erinnerungen, – oft verschüttet und verborgen -, glitzern diese Funken der Herrlichkeit, des Glücks und der Erlösung. Das Glitzern und Glimmen sieht man nicht im hellen Sonnenlicht, oft aber im Licht des Abends, wenn das Dunkel droht. Das tröstet mich.</p>